falls Du genug Zeit hast

Archive for October, 2008

Ist der rebellische Unterschied zwischen Punk, Punk und Punk, Rock?

Thursday, October 23rd, 2008

Punk Rock war eine Bewegung die sich in zwei Stränge aufteilen lässt, einmal eine kommerziell orientierte Abzweigung, die durch Bands wie die Sex Pistols am stärksten repräsentiert wurde, und auf der anderen Seite die unverbesserlichen politisch aufmüfpigen Idealisten, wie sie in der Band Crass ihre bekannteste Formation fanden. Aus diesen zwei Hauptsträngen zweigten die meisten der anderen innerhalb der Bewegung agierenden Bands ab.

Aus diesen beiden originalen Zweigen herleitend, hat sich heute in Anlehnung an den Mythos dieser Bewegung (und vielleicht auch dem seiner musikalischen Ableger wie Straight Edge), eine dritte verwässerte Variante des „Punk“ entwickelt, und zwar eine Counterfeit-Variante des Punk-Rock, die keinerlei der Grundimpulse dessen mehr aufweist, was die eingetümlich politische Protestbewegung in ihrer ersten oder tatsächlichen Erscheinungsphase ausmachte.

Punk war echterweise so etwas wie eine individualitsierte Grassroots-Revolution auf kultureller Ebene. Die Punkbewegung hatte sich in den späten 1970ern aus einer Art intuitiven Sinnempfinden dafür entwickelt, dass ein kultureller Ausdruck eines Einzelnen, in dem Moment in dem er dem „System“ zuwiderläuft, tatsächlich politische Wirkung erzielen kann. Dabei konnte dieses Zuwiderlaufen gegen das Establishment ein reiner Antagonismus sein oder in simpler doch klarer Weise neue kritisch-reflektierende Wege aufweisen.

Der Unterschied zwischen Antagonismus oder kritischer Reflektion liegt hier:

Das Individuum stellt sich den gesellschaftlichen Problemen und Fragen, mit denen es sich konfrontiert sieht 1. in einer selbst gewählten Perspektive, aber 2. in welcher Perspektive?

a.) In einer, die sich selbst nicht kritisch sieht, dafür aber das „System“ kritisiert, oder
b.) das Individuum positioniert sich in der Warte der Person, die zwar grundzätzlich individualisiert ist, sich aber kritisch in ihrem Selbst-Sein (in einer Beleuchtung dessen, was Anpassung bedeutet) hinterfragt und diese Fähigkeit zur Eigenkritik überträgt sie mit auf das „System“ als eine Metakritik.

Da die Stärke der ersten Punkbewegung in der Fähigkeit zu einer Kritik des Ganzen durch den Einzelnen lag, veliert sich der Sinn der Bewegung sobald der Kommezialismus greift, weil – abgesehen von der eigentlichen anti-kommerzialität der Punk-Rock-Ästetik – das Individuum in seiner postulierten Eigekreativität im Denken, seinen Sinn selbst erzeugen will und daher keinem Mainstream unterliegen kann, sondern stattdessen nach alternativen Wegen suchen muss.

Die Sex Pistols haben das antikommerzielle freilich untergraben mit ihrem „Great Rock and Roll Swindle“, in dem sie auf künstlerische Weise in diesem ihrem musikalischen Filmprojekt behaupteten sie könnten ein kommerzielles Plattenlabel benutzen allein um so etwas wie den klassischen „Rockbandkult“ und das Musikbusiness von innen her bloßzustellen.

Der Sound der Sex Pistols blieb am musikalisch Herkömmlichen haften. Die interessantesten Punk-Rock Tracks kennzeichneten sich aber gerade durch ihre Ferne zur gewohnten Eingängigkeit der kommerziellen Musik in den „normalen“ Charts.

Wo geht die Bewegung heute weiter? Bei ihren Akteuren. Zum Beispiel:

Crass – http://www.southern.com/southern/label/CRC/ , zum Beispiel: http://www.bracketpress.co.uk/

und die Sex Pistols http://www.sexpistolsofficial.com/ – zum Beispiel: http://www.johnlydon.com/

Komerziell vermarktet – indem sie die Verbreitung ihrer Musik größeren Plattenlabels überließen –, haben sich außer den Sex Pistols Bands wie Exploited (die ehemals eine Skinhead-Band waren), G.B.H., Anti-Nowhere League, Siouxsie and the Banshees, English Dogs, The Damned, usw.
Zu den Bands deren politisches Statement sich im Musikveröffentlichen über Independent Labels ausdrückte, gehörten zum Besipiel: Flux of Pink Indians, Conflict, Rudimentary Peni, The Cravats, Subhumans, Six Minute War, Cassette, Bastards, Crucifix, Demob usw.

Gefässe

Thursday, October 16th, 2008

Wie Gefäße funktionieren wir. Es wird in uns hineingegossen, wir gießen aus in andere Gefäße. Informationen, Desinformationen, Weisheiten, Dummheiten, Freudiges, Unglückliches, Gutes, Böses, alles fließt sobald wir geboren wurden.

Erste Station wo gefüllt wird sind Elternhäuser, dann folgen die Schulen. Für manche sind die Universitäten Plätze der Füllungen. Auch die Berufsausbildungsplätze haben Wichtigkeit.

Manche sagen es gab eine Ausgießung des Heiligen Geistes, manche stellen fest, dass es auch eine Ausgießung des Unheligen Gesites gab und gibt.

Im Laufe des Lebens steigt in uns die Erfahrung auf, dass wir eingesperrt sind. Wir sind eingezwängt wie in ein enges Gefäß in dessen Öffnung wir gerutscht sind und keinen Ausweg mehr finden können. Die Rollen die wir im Theater des Lebens spielen haben uns eingezwängt. Es geschieht sehr schnell, dass wir in ein Gefäß hineinplumpsen und oft zappeln wir darin um wieder hinauszukommen.

Es gab den Begräbniskult die Leichen in große Tongefäße hineinzusetzen. Ob es das heute noch gibt, weiß ich nicht. Aber eines weiß ich, dass sich manche Menschen wie Leichen eingesperrt in Gefäße fühlen, wenn ihre Kräfte erlahmen beim Zappeln sich aus den Gefäßen zu befreien.

Diese Betrachtungen klingen anscheinend resignativ, weil wir in unserem tiefsten Streben Freiheitssucher sind. Gibt es Möglichkeiten einengende Gefäße zu sprengen? Für mich fand ich die Methode: DENKZWEIMAL und handle.

Siehe hierzu auch von mir: ‚Das Gefäß als Metapher

Schlechtes Geld

Sunday, October 12th, 2008

Geld ist „schlecht“ (der Englische Begriff „bad money“ kommt von Gresham’s law: „bad money drives out good“ , siehe z.B. http://en.wikipedia.org/wiki/Gresham’s_Law) im historischen Sinne, wenn eine führende Wirtschaftsweltmacht die ihren Zenith bereits überschritten hat – man denke, abgesehen von den USA heute, an das habsburgische Spanien, die Holländische Republik des 17. Jahrhunderts und das imperiale Großbritannien kurz vor dem 1. Weltkrieg – sich im Luxis ihrer finanziellen Gewinne verliert zu ungunsten der Vorgänge, die der Gewinnerzielung vorgeschaltet sind (Ernten … Herstellungsprozesse … Transportwesen). … Eine Institutionalisierung der Dominanz minimal regulierter Finanzen … ist eine problematische Lösung [1], deren Folgen man jetzt hautnah zu spüren bekommt.

Konsumerismus als volkswirtschaftlicher Faktor könnte in Zukunft vielleicht durch einen neuen Trend zum Frugalismus (http://en.wikipedia.org/wiki/Frugality), d. h. durch bewußte Sparsamkeit, ausgetauscht werden. „Shopping“ ist ziemlich eindeutig ein kurzsichtiger und egozentrischer Trend gewesen. Das Argument, dass nur Kaufkraft Arbeitsplätze schaffen kann, wirft zwei Fragen auf:

einmal … was ist aus der Idee einer Bildungsgesellschaft [2] geworden, in dem Moment, in dem Technisierung, Outsourcing, der Import von Gütern, zahlreiche Arbeitsplätze hier überflüssig gemacht haben?

und zweitens … sollte man sich nicht stärker mit den „green collar“ [3] Perspektiven befassen, den neuen Aufgaben im Tätigkeitsfeld Umweltschutz, Umwelttechnologien, Umweltpolitik, Umwelt-Ethik, etc., also Berufen und Industrien die einen Schwerpunkt legen nicht auf die Konsumgesellschaft, die herstellt und „verkonsumiert“ als ihre Subsistenzgrundlage, sondern deren Hauptziel die Gesellschaft als ein integrativer Teil der Umwelt sein wird … mit einem ‚open end’ und Platz für neue Formen von Kreativität?

Der amerikanischer Bürgerrechts- und Umweltaktivist Van Jones hat gerade sein Buch „The Green Collar Economy“ (siehe dazu auch die allgemeine Webseite zum Thema ‚Green Collar Economy’: http://www.greencollareconomy.com) herausgebracht, das die zwei Hauptkrisen der USA: das Scheitern der Wirtschaft und die Zerstörung der Umwelt, miteinander in Verbindung setzt und Lösungsvorschläge parat hält. Die Probleme ähneln sich überall in den westlichen Gesellschaften und nicht nur dort. Man kann sich durch die Herangehensweise definitiv inspirieren lassen. Siehe zu Van Jones seine Webseiten: http://www.vanjones.net und http://www.greenforall.org .

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[1] „Money is ‚bad,’ in the historical sense, when a leading world economic power passing its zenith—before the United States, think Hapsburg Spain, the maritime Dutch Republic (when New York was New Amsterdam), and imperial Britain just before World War I—lets itself luxuriate in finance at the expense of harvesting, manufacturing, or transporting things. Doing so has marked each nation’s global decline. To institutionalize the dominance of minimally regulated finance at this stage of U.S. history is a bad idea.“ Kevin Phillips in seiner neusten Veröffentlichung „Bad Money“. Phillips ist ehemaliger Republikaner, zählt jetzt aber zu ihren heftigsten Kritikern. Er brachte zuvor einen Bestseller mit dem Titel „American Theocracy“ heraus, das die religiösen Verflechtungen mit der Politik in der USA untersucht: http://www.bad-money.com .

[2] Bertrand Russell: In Praise of Idleness (1932): „It is an essential part of any such social system that education should be carried further than it usually is at present, and should aim, in part, at providing tastes which would enable a man to use leisure intelligently.“ „ [...] Modern methods of production have given us the possibility of ease and security for all; we have chosen, instead, to have overwork for some and starvation for others.“

Siehe Auch Harvey Wheeler, ‚Democracy in a Revolutionary Era’ (1968), der bereits Ende der Sechziger prophezeite, dass Techonologisierung zahlreiche Arbeitsspläze überflüssig machen wird, und dass die ständigen Versprechen der Politiker Arbeitsplätze zu schaffen, zu keiner Lösung dieses Problems führen.

[3] In den USA spricht man von den „blue collar“ Berufen, mit denen die eher handwerklichen Berufe gemeint sind, und den „white collar“ Berufen, das sind die sich im eher „bürokratischen“ bewegenden Berufszeige, die zumeist einen Collegeabschluss benötigen.

Nachtblind

Wednesday, October 1st, 2008

Dunkelheit erscheint bedrohlich. Kinder fürchten dunkle Räume und die Erwachsenen unterstützen das. Noch gibt es die Erziehungsmethode als Bestrafung das Kind in Dunkelheit einzusperren.

Die Helligkeiten, die Sichtbarmachung beflügelt Wissenschaftler im Universum die dunklen Löcher, die schwarze Materie zu erforschen.

Viel Potenzial an Fantasie entsteht im Dunklen. Der jetzige Mangel an Fantasie, was auch bedeutet kreativ zu denken, Visionen zu haben, wird in vielen Bereichen beklagt.

Warum wurde von jeher in Tragödien der Antiken Welt von „blinden Sehern“ erzählt?