Schlechtes Geld

Posted by & filed under Postglobale Frage.

 

 

Geld ist „schlecht“ (der Englische Begriff „bad money“ kommt von Gresham’s law: „bad money drives out good“ , siehe z.B. http://en.wikipedia.org/wiki/Gresham’s_Law) im historischen Sinne, wenn eine führende Wirtschaftsweltmacht die ihren Zenith bereits überschritten hat – man denke, abgesehen von den USA heute, an das habsburgische Spanien, die Holländische Republik des 17. Jahrhunderts und das imperiale Großbritannien kurz vor dem 1. Weltkrieg – sich im Luxis ihrer finanziellen Gewinne verliert zu ungunsten der Vorgänge, die der Gewinnerzielung vorgeschaltet sind (Ernten … Herstellungsprozesse … Transportwesen). … Eine Institutionalisierung der Dominanz minimal regulierter Finanzen … ist eine problematische Lösung [1], deren Folgen man jetzt hautnah zu spüren bekommt.

Konsumerismus als volkswirtschaftlicher Faktor könnte in Zukunft vielleicht durch einen neuen Trend zum Frugalismus (http://en.wikipedia.org/wiki/Frugality), d. h. durch bewußte Sparsamkeit, ausgetauscht werden. „Shopping“ ist ziemlich eindeutig ein kurzsichtiger und egozentrischer Trend gewesen. Das Argument, dass nur Kaufkraft Arbeitsplätze schaffen kann, wirft zwei Fragen auf:

einmal … was ist aus der Idee einer Bildungsgesellschaft [2] geworden, in dem Moment, in dem Technisierung, Outsourcing, der Import von Gütern, zahlreiche Arbeitsplätze hier überflüssig gemacht haben?

und zweitens … sollte man sich nicht stärker mit den „green collar“ [3] Perspektiven befassen, den neuen Aufgaben im Tätigkeitsfeld Umweltschutz, Umwelttechnologien, Umweltpolitik, Umwelt-Ethik, etc., also Berufen und Industrien die einen Schwerpunkt legen nicht auf die Konsumgesellschaft, die herstellt und „verkonsumiert“ als ihre Subsistenzgrundlage, sondern deren Hauptziel die Gesellschaft als ein integrativer Teil der Umwelt sein wird … mit einem ‚open end’ und Platz für neue Formen von Kreativität?

Der amerikanischer Bürgerrechts- und Umweltaktivist Van Jones hat gerade sein Buch „The Green Collar Economy“ (siehe dazu auch die allgemeine Webseite zum Thema ‚Green Collar Economy’: http://www.greencollareconomy.com) herausgebracht, das die zwei Hauptkrisen der USA: das Scheitern der Wirtschaft und die Zerstörung der Umwelt, miteinander in Verbindung setzt und Lösungsvorschläge parat hält. Die Probleme ähneln sich überall in den westlichen Gesellschaften und nicht nur dort. Man kann sich durch die Herangehensweise definitiv inspirieren lassen. Siehe zu Van Jones seine Webseiten: http://www.vanjones.net und http://www.greenforall.org .

—-

[1] „Money is ‚bad,’ in the historical sense, when a leading world economic power passing its zenith—before the United States, think Hapsburg Spain, the maritime Dutch Republic (when New York was New Amsterdam), and imperial Britain just before World War I—lets itself luxuriate in finance at the expense of harvesting, manufacturing, or transporting things. Doing so has marked each nation’s global decline. To institutionalize the dominance of minimally regulated finance at this stage of U.S. history is a bad idea.“ Kevin Phillips in seiner neusten Veröffentlichung „Bad Money“. Phillips ist ehemaliger Republikaner, zählt jetzt aber zu ihren heftigsten Kritikern. Er brachte zuvor einen Bestseller mit dem Titel „American Theocracy“ heraus, das die religiösen Verflechtungen mit der Politik in der USA untersucht: http://www.bad-money.com .

[2] Bertrand Russell: In Praise of Idleness (1932): „It is an essential part of any such social system that education should be carried further than it usually is at present, and should aim, in part, at providing tastes which would enable a man to use leisure intelligently.“ „ [...] Modern methods of production have given us the possibility of ease and security for all; we have chosen, instead, to have overwork for some and starvation for others.“

Siehe Auch Harvey Wheeler, ‚Democracy in a Revolutionary Era’ (1968), der bereits Ende der Sechziger prophezeite, dass Techonologisierung zahlreiche Arbeitsspläze überflüssig machen wird, und dass die ständigen Versprechen der Politiker Arbeitsplätze zu schaffen, zu keiner Lösung dieses Problems führen.

[3] In den USA spricht man von den „blue collar“ Berufen, mit denen die eher handwerklichen Berufe gemeint sind, und den „white collar“ Berufen, das sind die sich im eher „bürokratischen“ bewegenden Berufszeige, die zumeist einen Collegeabschluss benötigen.

Modeaccessoir Gleichgültigkeit

Posted by & filed under Postglobale Frage.

 

 

Warum …

… ignoriert man den Umstand, dass die Finanzmärkte heutzutage im Prinzip die Krönung eines Wohlstands sind, der selbstverständlich immer noch postkoloniale Zusammenhänge aufweist [1]. Wann hätte die Kette zwischen Vergangenheit und Gegenwart gebrochen werden können?

Auf politischer Ebene wird vieles kritisch hinterfragt, aber auf Ebene unseres Wohlstandverständnisses nicht.

Es geht nicht um Lösungen durch Umverteilung, weil der Weg auf dem Gewinn und Wohlstand erzeugt werden, ein Weg ist, der der Welt als Ganzheit genommen eine Form aufzwängt in der sie allein zu einem Beutegegenstand homozentristischer Engstirnigkeit herabreduziert wird.

Man ist tendenziell glücklich wenn man versuchen kann im Luxus-Pool zu ertrinken.

Auf meine Frage warum man vielen Dingen gegenüber igrnorant ist aus seinem individuellen „Angebe-Zwang“ heraus, füge ich dem dieses Zitat von Hannah Arendt bei:

„Manipuliert“ werden können Menschen nur durch physischen Zwang, durch Furcht, Folter oder Hunger, und die Meinungsbilding kann zuverlässig nur durch organisierte, gezielte Falschinformationen gelenkt werden, aber weder durch „hidden persuaders“, Fernsehen, Reklame oder andere psychologische Mittel, deren sich die freien Länder gern bedienen. – H. Arendt, Macht und Gewalt, München,1970, S. 33.

[1] Neokolonialismus (Wortgebrauch im Englischen häufiger auch „new colonialism“): Obgleich ehemalige europäische Kolonien ihre Unabhängigkeit erreicht haben, spielen die ehemaligen Kolonialkräfte und später entstandene Supermächte, wie die USA, immer noch eine entscheidende Rolle durch die internationalen Finanzkörperschaften, durch Preisfixierung auf den Weltmärkten, multinationale Unternehmen und Kartelle und durch verschiedene Bildungseinrichtungen und kulturelle Institutionen. Vgl. Definition von Neocolonialism in: Ashcroft, Bill, Gareth Griffiths, and Helen Tiffin. Key Concepts in Post-Colonial Studies. New York: Routledge, 1998.