Persisches Dorf

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Farangis Yegane, Persische Dorf,
Öl auf Leinwand, 97 x 80 cm / 37 x 30 1/2 inches und Gedicht

Persisches Dorf

Ich bettete mich in die weichen Rundungen
deiner Täler Persiens,
die hüllende Decke meines Tschadors löste sich
von meinem warmen Körper,
schwarzhaarige Urmuttergottheit fütterte mich
mit safrangewürztem Reisbrei,
mein Leib füllte und rundete sich,
in meinen Ohren klang der Singsang ihrer Zusprüche,

auf alles Erhöhte fiel das bläuliche Weiß des Augenmondes,
mein Dorf war um mich aufgebaut,
mit weißen Mauern und Kuppeln,
fiebrierende und surrende Insektensäule bewegte sich
auf und nieder gegen den Augenmond,
ununterbrochenes Zikadenzischen hielt mich im Halbschlaf.

Ein leichter, kühler Wind erhob sich hinter den Bergen,
durchstrich die braunschwarze Dunkelheit der Täler
und fächelte mein Gesicht,
er durchwehte die Falten meines Tschadors,
lüftete seine Zipfel und hob ihn,
dass er sich von mir löste
und silbergrau schwebend
sich dem Augenmond entgegen entfernte.

Die Helligkeit der morgendlich jungen Sonne
blendete zwischen den geschlossenen Wimpern meiner Augen,
helle Strahlen zogen in meine erwachten Sinnesorgane,
das Dumpfe entwich meinen Nerven
und es spannten sich meine Sehnen,
vor mir zerschmolz ihr safrangelber Reisbrei,
ein neuer Hunger öffnete mir die Augen
ließ mich stark werden,
mich aufrichten,
und mit meinen eigenen Händen mit eine
kräftige Nahrung suchen.

Farangis Yegane, Dichtung und Illustration: MITTAGSHITZE

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In das Land der MITTAGSHITZE
bin ich schattenlos gesetzt
meine zarten Daunenflügel
sind versengt und ausgefallen
in groben Stricken eingenetzt

über Liebesglitzersteinen
fließen träge schwarze Fluten
tragen früh verblühte Rosen
jung vermählte Menschenpaare
Fallenstellers Beuteleichen
Dichterbücher eingefetzt

Mondenlied – ich wollt es singen
hat ein Sonnenblitz verletzt

Dieses Gedicht ist erschienen in der Edition Farangis im zweiten Band der dritten Lyrikreihe: Weltenrätselbaum http://edition.farangis.de/lyrik_3/?id=weltenraetselbaum

Farbenlehre, Bilder und Text, Edition Farangis

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Farbenlehre, ein Büchlein das aus 6 Drucken und 6 Texten in einer CD-Hülle besteht. Die Texte und Bilder stammen von Farangis.

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Rosa Morgen
Rosa Wangen
Rosa Himmel
unverhangen
Rosarot
schneeweißchenweiß
Märchenfrauen
Wangen heiß
Rosa
geht kein Tag
zu Ende

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Grüne Baume
Grüne Männchen
Goethes Lob
für grüne Soße
Grün Grün Grün
sind alle meine Kleider
weil mein Mann
kein guter Jäger ist
und mein Reh
erschießt

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Blaue Augen
hat mein Kater
sieht
am blauen Himmel
Amseln
sieht mich an
so blau
sieht mich an
so schlau

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Lila Dome
Lila Priester
Lila Röcke
Lila lalum
Lila liest er
Lila Frauen
in den Mischen
zu den Kir-kü-
Kindern kriechen

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Bunter Hund
frisst
nur Gemüse
Doktor sagt
das geht nicht gut
Bunter Hund
pinkelt an Autos
Herrchen
haben ihre Wut
Bunter Hund
ist kerngesund

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Gelbe Helle
Nina rockt
in Rockerhöhle
Gelber Blick
schlägt ins Tabu
peitscht ein
deutsches Wortgewitter
grelles Gellen
Gelblichthölle
wie das pengt
da hör ich zu

Gedankenspiele

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Die Gedanken sind frei – Gott sein Dank – aber warum habe ich so pausenlos Gedanken?

Höre ich das Wort LIEBE – ich denke. Höre ich einen Hund bellen – ich denke. Höre ich ein Auto bremsen – ich denke. Höre ich den Wetterbericht – ich denke. Sehe ich das Bild eines Politikers – ich denke. Lese ich eine Statistik – ich denke. Sehe ich den vollen Einkaufswagen einer Supermarktkundin – ich denke.

Würde ich alle meine Gedanken aussprechen, wäre das ein laufender Redefluß von morgens bis in die tiefe Nacht.

 

 

 

Ich denke nach
ich denke vor
mal denk ich solo
mal im Chor
ich denke schwarz
ich denke blau
ich denk als Mann
ich denk als Frau
ich denke weich
ich denke hart
ich denke am Ziel
ich denk beim Start
ich denk im Dunkeln
ich denk im Licht
bin ich verliebt
dann denk ich nicht
ich denke hoch
ich denke tief
ich denke, denke, denke
bis mein Stern mich rief.