Wie die Lithos im Badischen Landesmuseum letztendlich gehängt waren

„Mappe MITHRAS“ mit Lithographien: Sol und Mithras, Kulthandlung, Stiertötung, Felsgeburt

Farangis Yegane
Deutschland 2008

Die Künstlerin srtzt sich in ihrem Oevre intensiv mit Mithras auseinander. Sie kontrastiert in ihren Skulpturen, Installationen und Bildern den römischen Mysterienkult mit modernen Gedanken und Fragestellungen, wagt individuelle Interpretationen und initiiert somit einen Dialog zwischen Antike und Gegenwart.

Mit Dank an das Badische Landesmuseum Karlsruhe, Frau Natascha Daher, Frau Susamme Erbelding und Hernn Thomas Goldschmidt.

Drafts for the juxtaposition of “the two bloods”

The two bloods. Drafts from the FOR EXAMPLE MITHRAS exhibit by Farangis G. Yegane at the Kreuzgang of the Karmeliterkloster in Frankfut am Main.

Drafts for the juxtaposition of “the two bloods” and the worlds separating them. They go together in the contextualization of the integrity, the wholeness of the vulnerability of life, the dignity of all living beings and the sanctity of their lives.


The blood of affliction, pain, injustice – the sacrifice, be it human or nonhuman.


And, the blood of organic growth, of nativity, of balance – the menstruative circle in females, human or nonhuman.

Suffered experience “bonds” blood. Perpetration cuts!

“Initiated”, “baptized” by force of nature !!! or by the sword of myn ?

Lithos from F.E.M. 1 exhibit at the Badisches Landesmuseum in Karlsruhe

In the context of what’s promising to be an impressive archaeological exhibition about the deities of ancient Rome: “Imperium der Götter: Isis – Mithras – Christus. Kulte und Religionen im Römischen Reich” the Badisches Landemuseum in Karlsruhe will feature a section about the cults’ ‘effective histories’ and their contemporary reception.

The 5-lithographs-portfolio from Farangis Yegane’s FOR EXAMPLE MITHRAS I series of works will be part of that segment in the museum exhibit.

Final Drafts for the FOR EXAMPLE MITHRAS PART I LITHOGRAPH SERIES

Farangis G. Yegane: Deskription zu den Installationen im Kreuzgang des Karmeliterklosters 1994

Leporello zu Objekten; Begleittexte: Zum Beispiel Mithras von Farangis Yegane. PDF


Die Tauroktonie des Urstiers im Mithraismus; die Kreuzigung Christi. Farangis G. Yegane.

Farangis G. Yegane: Deskription zu den Installationen im Kreuzgang des Karmeliterklosters 1994, Frankfurt / Main.

Die Künstlerin Farangis Yegane reaktiviert mit ihren Arbeiten – große Bilder und Installationen ausgehend vom römischen Mithraskult – in ihrer Ausstellung ZUM BEISPIEL MITHRAS neue Gedankengänge zu religiösen Glaubensritualen. Der Opfertod in religiösen Riten, beispielsweise in dem Mysterium des Mithraskultes (Stiertötung), wie auch in den Riten der abrahamitischen Religionen, im Judentum, Christentum und Islam, steht als Blutopfer für Heilserwartungen. Im Sterben und Verbluten beginnt die rituelle Verwandlung: aus Tod entspringt neues Leben.

Der große weiße Stier, entworfen von der Künstlerin als begehbare Holzskulptur, steht als Mittelpunkt dieses Ausstellungsprojektes. Der Ausstellungsbesucher wird beim Eintritt in den dunklen Tierbauch plötzlich rot beleuchtet als symbolischer Akt einer Blutübergießung. Dann beginnt der dumpfe Herzschlag des Tieres, der ruhig einsetzt und sich steigert wie in Todesangst, und dann plötzlich abbricht: jetzt ist der Stier im Opfertod verendet. Mit der rotflackernden Lichterkette legte die Künstlerin eine Verbindung vom Stier aus zum Kultbild des Mithras (ein Fundstück aus Frankfurt-Heddernheim) ins Archäologische Museum. Als Leihgaben von diesem Museum wurden in der Ausstellung drei Objekte gezeigt: eine Steinplastik, welche die Felsgeburt des Mithras darstellt, eine Steinplastik der Figur des Fackelträgers Cautopates, sowie ein römischer Altar, auf dem während der Ausstellung eine Schale mit brennendem Weihrauch stand.

Drei große Bilder in Form von Diptychon und Triptychon, wie diese Methode aus der Ikonenmalerei bekannt ist, zeigen Darstellungen von Opfertod und Blutritualen. Bei dem hochformatigen Triptychon ist der gekreuzigte Christus zu sehen, ebenfalls als blutendes Opfer, wie der darunter liegende Stier des Mithraskultes. Das große dunkelblaue Triptychon zeigt die Vorstellung der Himmelsunendlichkeit mit blutendem Stier als mittleres Bild. Beim Diptychon ist auf dem linken Bild der Kultraum im Mithräum, nach Darstellung auf einem römischen Medaillon, zu sehen. Auf dem rechten Bild liegt ein rotgefärbter Mann als Empfänger eines Blutrituals. Als zweites Raumobjekt entwarf die Künstlerin eine hohe schwarze Treppe, auf der die Stufen mit den sieben Weihegraden im Mithraskult weiß beschriftet sind. Zur Symbolisierung der Präsenz heutiger religiöser und weltlicher Hierarchien sind vor der Treppe die Grade der militärischen Ordnung und oberhalb der Treppe die der katholischen Kirche auf Schrifttafeln gezeigt.

Das zweiteilige Wandobjekt ist gestaltet wie zwei große Gebotstafeln göttlicher Ordnung. Sie sind bedeckt mit braunem Torf und zeigen im oberen Teil der rechten Tafel ausgeschnitten die Form der Sonne und im oberen Teil der linken Tafel die Form des Mondes. Bei Annäherung an das Objekt beginnt das Lichtspiel. Im Wechsel leuchten Sonne und Mond auf und verdunkeln wieder. Es ist der tägliche langsame Ablauf von Sonnenlicht und Mondlicht als Sinnbild der kosmischen Ordnung. Nach jedem Tag-Nacht-Lichtwechsel blitzt zwischen den Tafeln ein grellrotes Licht in Form eines senkrechten Stabes auf, was an ein Warnsignal erinnert: hier ist der Ablauf der kosmischen Ordnung gestört! Wenn Menschen im kosmischen Ordnungssystem Störungen verursachen, gefährdet das alles Leben auf unserem Planeten.

 

Mithraeum in Inveresk Schottland

Reliefdarstellung eines Phoenixes oder phoenixartigen Tierwesens von der Seite eines Mithrasaltars. Der Fund galt als überraschend, es ist das erste in Schottland gefundene Mithraum.

“Excavations on the eastern edge of the fort complex of Inveresk in East Lothian have revealed the first evidence for the cult of Mithras in Scotland.” > LINK

“Winged mythical creature.” > LINK

Der Phoenix erscheint auch auf dem Crosby Garrett Helm aus Cumbrien, eine römische silberne Reitermaske mit Phrygenmütze, bei der bislang unklar ist, ob es sich um die Darstellung des Gottes Mithras handelt, was aber wahrscheinlich ist.

Der Unterschied zwischen dem zoroastrischen und dem mithraischen Urrind …

Der Unterschied zwischen dem zoroastrischen und dem mithraischen Urrind ist der folgende: 1. Das zoroastrische Urrind wird von Angra Mainyu (Ahriman) tödlich verletzt. Das Ziel Ahrimans ist es, das Leben in der Welt zu vernichten. Arthas Samen aber sind immer siegreich (Pirooz), da sie die Kraft haben sich immer wieder zu erneuern. So sind alle Bemühungen Angra Mainyus umsonst und aus allen Teilen des Rindes (das mit „Parvins Ähre“ / خوشه پروین  gleichgesetzt ist) entsteht von neuem Wachstum durch die Absorption des Wassers, das in dem neben ihm gelegen Fluss, dem Flusse Veh Daiti, fliesst (das Urrind erfährt eine neue Frischwerdung =Frashgart).

Im Mithraismis ist Mithras der Schöpfer durch seinen Dolch, indem er damit die Ader der Urrindes durchschneidet. Hier fehlt die Darstellung des Flusses. Und an die Stelle des Prozesses der Wiederauferstehung tritt der Akt des Durchtrennens der Lebensadern des All-Lebens durch den Gott Mithras mit dem Dolch. Mit dem Schnitt in die Blutadern bewirkt Mithras die vermeintliche Wiederauferstehung (Frashgart) des Lebens. Wasser kann man nicht zerschneiden oder durchtrennen, aber die Adern durch die das Blut fließt (die man auch als einen „Fluss“ verstand) konnten durchtrennt werden. Die Ader war identisch mit der Gottheit Artha. Durch die Opferung findet im Mithraismus die Erneuerung statt, und mit der gewaltsamen Unterbrechung der Lebensadern entsteht der Gedanke des Bündnisses (Mitre) und tritt an die Stelle der Liebe (Mehr).

Geush Urvan, the primeval bull in Zoroastrianism and his/her counterpart in Mithraism, M. Jamali und G. Yegane Arani-May, Edition Farangis, 2009.

Payam Nabarz: Mithraische Symbole im Werk von Farangis Yegane

Mithraische Symbole im Werk von Farangis Yegane

Payam Nabarz

In dieser griechisch-römisch-persischen Sternenreligion sieht man die Seele des Individuums als herabgekommen von den sternernen Himmeln zur Erde, und zum Zeitpunkt des Todes tritt die Seele wieder ihre Reise hinauf zum Firmament an. Eine Vision, die der biblischen Vision der Jakobsleiter ähnelt. Das initiatorische System gestattete es dem Neophyten [dem neu Geweihten] sich mit dem Kosmos vertraut zu machen und die ‚Wegweiser’ der Sterne kennenzulernen. Diese sollten ihm dabei helfen, dass seine Rückreise glatter ablaufen würde und er den Zustand einer Henosis (eine Vereinigung mit dem Göttlichen, der Quelle) erlangen würde. Der höhlengleiche Tempel (das Mithräum) war eine Abbildung des Universums; hier durchschritt der Initiierte die Stufen verschiedener planetarer Grade und erfuhr von den Konstellationen und deren Bedeutungen.

In dem Objekt Treppe sehen wir die planetaren Initiationsgrade, die zum mithraischen Himmel führen:

⊕ Merkur (Corax / Rabe)
⊕ Venus (Nymphus / Bienenpuppe oder Bräutigam)
⊕ Mars (Miles / Soldat)
⊕ Jupiter (Leo / Löwe)
⊕ Mond (Perses / Perser)
⊕ Sonne (Heliodromus / Sonnenläufer)
⊕ Saturn (Pater / Vater)

Der erste Grad ist der Corax, von ihm an aufwärts geht es bis zum siebten Grad, dem Pater als der obersten Rangstufe.

In den Exponaten Mithras tötet den Stier, Wind und Das Opfer in den abrahamitischen Religionen erkennen wir die zentrale Ikonographie des Mithraismus. Dies ist die ‚Tauroktonie’ oder Stiertötung, die eine Darstellung des Nachthimmels war. Nicht zuletzt eignet sich die Gebäudestruktur des Mithräums dazu, alle Symbole des Makrokosmos mit einzubeschließen. Eines der mithraischen Mysterien ist die Vorstellung, dass die Stiertötungszene eine Darstellung der Konstellationen Perseus (Mithras), Taurus (dem Stier), Canis Minor (dem Hund), Hydra (der Schlange), Corvus (dem Raben) und Scorpio (dem Skorpion) ist. Die Weizenähre ist der Stern Spica (der größte Stern in der Konstellation Virgo); die Stelle an der das Kurzschwert in den Hals des Stieres eintritt sind die Plejaden; das lebensspendende Blut des Stieres ist die Milchstraße. Hier wird der initiierte Miles übergossen mit dem Blut des Stieres, als dem Seelenweg der Milchstraße, gezeigt. Der Miles wird so gerettet und erreicht den Himmel – dies steht in vergleichbarer Weise zum Blute Christi das die Gläubigen errettet. Der Mithras der den Schöpfungsstier tötet, erscheint am Beginn der Zeit und dies war nicht ein Opferritual das wiederholt werden sollte durch das Töten echter Stiere in den Tempeln.

In den Bildern Der Sonnenzyklus und Cautes und Cautopates am Feuer sehen wir die zwei Fackelträger Cautes und Cautopates, die die Tagundnachtgleichen (Equinox) symbolisieren. Cautes’ Fackel ist aufwärts gerichtet: sie stellt die Tagundnachtgleiche des beginnenden Frühlings dar. Und Cautopates richtet seine Fackel abwärts: dies steht für die Tagundnachtgleiche des Herbstes. Die Stationen der Sonne rund um das Jahr werden gekennzeichnet und beobachtet.

Das Thema weitet sich aus in den Ausstellungsstücken Opfertier und in der Täufling.

Diese Schlüsselbilder, die sich auf die zentrale Tauroktonie-Szene beziehen sind wichtig, da sie eine Anspielung auf den Schöpfungsmythos beinhalten. Zum Zeitbeginn bittet die Sonne Mithras darum den Urstier zu töten, doch Mithras gehorcht nicht auf Anhieb. Der Rabe, der Botschafter der Sonne, kommt nun zu ihm, um ihm erneut die Botschaft der Sonne zu überbringen. Mithras geht daraufhin hinaus in das Feld und fängt den Stier, indem er ihn mit aller Kraft bei den Hinterbeinen packt, über seine Schulter wirft und zur Geburtshöhle schleppt. Der zunehmende Mond, den wir im Sonnenzyklus sehen, der Stier und sein gebogenes Horn, symbolisieren die Verbindung des Stieres mit dem Mond. Als Mithras den Stier tötet, ergießt sich aus seinem Blut Wein, und all die Pflanzen, die die Erde bedecken. Seine Schwanzspitze wird zur Ähre, die uns unser Brot liefert. Die Samen und die Genitalien des Stieres werden zur Mondgöttin getragen und gereinigt und aus ihnen entstehen alle Tiere. So kommt duch die Tötung des Urstieres das Leben in die Welt. Wegen einer Dürre jedoch gedeiht das neue Leben auf der Erde nur sehr langsam. Als Mediator zwischen dem Himmel und der Erde wird Mithras dazu aufgefordert, das Problem zu lösen; dies nun ruft einen Konflikt mit der Sonne hervor, die das Land durch ihre Hitze verbrannt hat. Der Kampf zwischen Sol (der Sonne) und Mithras endet damit, dass Mithras die planetare Sonne besiegt und selbst zur unbesiegbaren Sonne wird.

Das Symbol und das Konzept des lebensspendenden Blutes und der Errettung, wird weiter in den Bildern Opferkelch und das Opfer in den abrahamitischen Religionen dargestellt.

Mithras wird auch in dieser Form angesprochen: „Und Du errettest uns, nachdem Du das ewige Blut verschüttet hast.“ Er wird als der Kosmokrator (der Herrscher über den Kosmos) bezeichnet und er bestimmt die Bewegungen der Erde und den Lauf der Jahrerszeiten. Man ordnet ihm die Zahl 365 zu, die Anzahl der Tage eines Kalenderjahres. In der Durchführung ihres hermetischen Aufstiegs durchliefen die mithraischen Initiaten astrale Reisen und bereiteten sich auf ihr letztendliches Ziel vor: die Rückkehr zur Milchstraße (dem Blut des Schöpfungsstieres). Das Prinzip des Aufstiegs ist die Umkehrung des Geburtsprozesses auf die Erde. Die Seelen finden ihren Eintritt über die Konstellation des Krebses, dem Punkt der Genesis, und sie gehen hinfort über die Konstellation des Steinbocks, dem Punkt der Apogenesis. Die auf das neoplatonische basierenden Ideale bilden den Hintergrund für die Vorstellung des Aufstiegs der Seele über die planetaren Sphären: Eine initiatorische Reise zur Reinigung der in der Menschheit verborgen liegenden göttlichen Aspekte von der Berührung mit der Materie bei der Geburt.

Übersetzung aus dem Englischen: Gita Yegane Arani-May.

Fazit zur Ausstellung „Mysterium Mithras – ein antiker Geheimkult im Spiegel von Archäologie und Kunst“ auf der Saalburg im Taunus, August 2011 – Januar 2012.

Fazit zur Ausstellung „Mysterium Mithras – ein antiker Geheimkult im Spiegel von Archäologie und Kunst“ auf der Saalburg im Taunus, August 2011 – Januar 2012.

Der programmatische Charakter der Ausstellung MYSTERIUM MITHRAS, Archäologie und zeitgenössische Kunst zusammenhängend zu zeigen, ist bei Besuchern gut angekommen. Hier konnte Symbolsprache der frühen Glaubensvorstellungen, die in wissenschaftlichen Arbeiten normalerweise an Grenzen stößt, über die Bilder und Installationen der Künstlerin Farangis G. Yegane neue Denkanstöße geben.

Seit der ersten Ausstellung in der Farangis G. Yegane Archäologie zusammen mit ihrer Kunst zum Thema Mithraismus zeigte – im Karmeliterkloster in Frankfurt am Main 1994 unter dem Titel ZUM BEISPIEL MITHRAS -, hat sich das Interesse an den bei uns soweit noch eher unbekannteren Religionen alter Kulturen gesteigert. Auch ist es leichter geworden sich mit Informationen über das Internet zu versorgen und so ergeben sich vereinfachte Möglichkeiten neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Wir haben im Laufe der Zeit erfahren, dass sich in verschiedenen Ländern Neu-Mithraistische Gruppierungen befinden und sind selbst mit einigen ihrer Mitglieder in gegenseitigen Austausch getreten. Neu-Mithraisten befinden sich in Europa, im Iran, in Israel und in den USA.

Eine Freundschaft zwischen einem ehemaligen Offizier der US Army und Farangis G. Yegane begann über den Gedankenaustausch zum Mithraskult. Dieser Freund besuchte viele Fundorte und erforscht den Mithraskult seit Jahren als Privatgelehrter und Neu-Mithraist. Für seine Studien kam er auch mehrere Male zum Römerkastell Saalburg.

So entstand bereits in Vorab ein Netzwerk von Interessenten, unter denen die Information gegenseitig ausgetauscht wurde, dass die Austellung MYSTERIUM MITHRAS auf der Saalburg in Römerkastell stattfindet. Und zum Ende der Austellung zeigte sich, dass am Mithraskult ein großes Interesse besteht. Die Interpretation mittels zeitgenössischer Bilder und Objekte gibt dabei den archäologischen Fundstücken ihre einstige Lebendigkeit zurück.